Einst war das Wasser voller Fische. Seit Jahrzehnten sind die Dorffischer nachts auf das Meer hinausgefahren, um früh morgens mit gefüllten Netzen zurückzukehren. Nahrung für Familie und Verwandte und das Nötige, um auf dem Markt genug für den täglichen Lebensunterhalt zu verdienen. Doch die einst reichen Fischgründe an der Küste von Südafrika sind Vergangenheit. Der Fisch ist verschwunden, weil das Wasser kalt geworden ist. Das wissen die Fischer. Warum das Wasser aber kälter geworden ist, ist vielen ein Rätsel. Sie wissen nur: Ihre Existenz steht auf dem Spiel. Dass der von der Industrie der westlichen Staaten und der Schwellenländer verstärkte Klimawandel zur Misere der Fischer in Südafrika beiträgt, das wissen dort nur wenige.
Dies erlebt Zukiswa Nomwa tagtäglich bei ihrer Arbeit mit Fischern und Kleinbauern in Südafrika. "Die Menschen, die jahrzehntelang von und mit der Natur gelebt haben, spüren, dass sich etwas am Klima verändert. Sie wissen aber oft nicht, warum das so ist", sagt Nomwa. Ähnliches berichtet Serafhina Aupong aus dem in Ostasien gelegenen Papua-Neuguinea. "Das Land wird seit wenigen Jahren von massiven Regenfällen heimgesucht. Land und Dörfer werden weggespült. Männer und Frauen kämpfen gegen die Veränderungen an, aber ohne Erfolg. Die Existenz der Menschen wird vom Klimawandel schrittweise zerstört", sagt sie.
Die beiden Frauen sind derzeit in Zusammenarbeit mit der Umweltorganisation Oxfam Deutschland auf Tour durch Deutschland. Sie wollen über die Folgen des CO2-Ausstoßes informieren. Sie wollen die Menschen in Deutschland wachrütteln und die Politiker dazu bringen, endlich verbindliche Klimaschutzrichtlinien zu erstellen und den Bau weiterer Kohlekraftwerke zu stoppen. Sie betreiben Lobbyarbeit für die bedrohten Kleinbauern und Fischer, die eigentlich keine Lobby in der Welt haben.
In Stade machten die beiden Frauen am Donnerstagabend Station, weil dort zwei Kohlekraftwerksbauten geplant werden. Dass die Stadtverwaltung auf die Ansiedlung zumindest eines Kohlekraftwerkes hofft, stimmt die Frauen traurig. "Es ist verständlich, dass die Arbeitsplätze und die Steuereinnahmen für die Stadt interessant sind. Doch die Stader sollten sich fragen, ob sie den Bau der Kohlekraftwerke moralisch vertreten können", sagt Nomwa. Sollten die Kohlekraftwerke in Stade gebaut werden, so würde dies direkte Auswirkungen auf die fragile Landwirtschaft in Afrika und Asien haben, sagen sie. Die Stader sollten sich fragen, ob sie es verantworten können, mit ihrer Ansiedlungspolitik die Existenz von hunderttausenden von Menschen aufs Spiel zu setzen. "Wir hoffen sehr, dass die Bürger ihrer Stadtverwaltung sagen, dass die Kraftwerke nicht gebaut werden sollen", meint Aupong.
Jeder weitere CO2-Ausstoß verschärfe die Lage für die Landwirte. Etwa 80 Prozent der Menschen in Papua-Neuguinea sind von der Landwirtschaft abhängig. In Afrika ist der Prozentsatz ähnlich hoch. Doch die vertrocknenden oder weggeschwemmten Ernten haben dafür gesorgt, dass bereits jetzt viele Menschen die Landwirtschaft aufgegeben haben und in die Städte ziehen. In Südafrika seien bereits acht von zehn Landwirten - meist Frauen - auf der Suche nach Arbeit in die Städte gezogen. Diese würden förmlich explodieren, da sie für diese massive Migrationsbewegung nicht vorbereitet sind.
"In den Städten wird alles noch viel schlimmer, denn es gibt dort keine Arbeit für so viele Menschen", sagt Nomwa. Die Folgen seien eine Verarmung der Städte, eine Entvölkerung ganzer Landstriche und eine Destabilisierung der Staaten. Für viele Europäer seien die Probleme im Kopf noch weit entfernt, doch bereits jetzt hätten die Folgen dieser Veränderungen Auswirkungen auf die westliche Welt. Diese müsse etwa verstärkt Hilfe in den Ländern Afrikas und Asiens aufgrund von Überschwemmungen, Erosion, Dürre und Hungerkatastrophen leisten. Viele Hilfsprojekte würden zerstört oder aber um Jahre zurückgeworfen.
Von Deutschland erwarten die Frauen, dass es für die Klimakonferenz in Durban ein Konzept für die globalen Klimaschutzbemühungen aufzeigt. "Lippenbekenntnisse, wie beim Kyoto-Protokoll, helfen uns nicht, um die Krisen in unseren Ländern zu bekämpfen. Wir brauchen Taten", sagt Nomwa.